Die Diagnostik beginnt mit einer eingehenden Befragung. Bei der körperlichen genitalen Untersuchung wird auch mittels Ultraschall und ggf. auch Blasenfunktionsmessung (Urodynamik) versucht, die Ursachen der Beschwerden zu finden.
Diagnostik
- Befragung mit validierten (zuverlässigen) Beckenboden-Fragebögen.
- Vaginale und rektale Untersuchung
- Beckenboden-Ultraschall
- Urinuntersuchung
- ggf. Blasenfunktionsmessung (Urodynamik)
- ggf. Blasenspiegelung
- ggf. spezielles Röntgen inklusive Füllung von Blase, Darm und Enddarm
Behandlungsschwerpunkte
Harninkontinenz in der Schwangerschaft und nach den Wechseljahren
Harninkontinenz bedeutet unfreiwilliger Verlust von Urin. Diese auch als Blasenschwäche bezeichnete Krankheit ist sehr häufig: einige Frauen begegnen diesem Symptom schon in der Schwangerschaft (Berliner Daten: 25%), viele nach der Geburt (Berliner Daten: 22%) und noch mehr nach den Wechseljahren (internationale Daten: 49%).
Urinverlust bei Belastung
Von Belastungs- oder Stressinkontinenz wird gesprochen, wenn es zum Urinverlust bspw. beim Husten, Niesen, Lachen, Treppen steigen, Bücken oder Sport kommt. Ursachen können u.a. ein zu schwacher Beckenbodenmuskel sein, der nicht oder nicht rechtzeitig bei Belastung anspannt. Des Weiteren ist oftmals ein überdehntes oder schwaches Bindegewebe verantwortlich, welches die Harnröhre nicht in der richtigen Position hält.
Urinverlust bei starkem Harndrang
Kommt der Urinverlust zusammen mit einem sehr starken, nicht zu unterdrückenden Harndrang vor, wird von einer Dranginkontinenz gesprochen. Gemeinsam mit einem sehr häufigen Harndrang am Tage aber auch in der Nacht wird dies als Syndrom der überaktiven Blase genannt. Selbst wenn es nicht zum Urinverlust kommt, kann der ständige Harndrang die Lebensqualität stark beeinträchtigen.
Jede Inkontinenz kann den Alltag erheblich belasten, manchmal bis zur sozialen Isolation. Deshalb bieten wir eine umfassende Beratung und individuelle Therapie an.
Stuhlinkontinenz bedeutet unfreiwilliger Verlust von Stuhl. Dies kann ein ständiges oder häufiges Stuhlschmieren, aber auch der Verlust von dünnem oder geformtem Stuhl sein. Meistens geht ein starker, nicht unterdrückbarer Stuhldrang voraus, die Toilette wird nicht mehr rechtzeitig erreicht. Können “nur Darmwinde" nicht gehalten werden, wird dies als Windinkontinenz bezeichnet.
Verletzungen des Schließmuskels sind eine Ursache von Stuhlinkontinenz; sie kommen bei der vaginalen Geburt oder durch ein Trauma (z.B. bei einem Verkehrsunfall oder bei sexuellem Missbrauch) vor. In vielen Fällen besteht aber auch eine Sensibilitätsstörung, wobei nicht mehr zwischen Darmwinden und Stuhl unterschieden werden kann, oder der Stuhldrang zu intensiv vermittelt wird. Auch ein verminderter Ruhetonus des Schließmuskels kann zu Stuhlverlust führen.
Absenkung von Blase, Gebärmutter, Darm und Scheide
Die Absenkung von Blase, Gebärmutter, Darm und Scheide wird von Betroffenen als Druck nach unten gefühlt oder geht mit einem Fremdkörpergefühl in der Scheide einher. Ist die Senkung schon weiter fortgeschritten, kann sie im oder vor dem Scheideneingang fühl- und sichtbar sein.
Begleitend können auch andere Symptome bestehen, wie
- Rückenschmerzen (Zug an den Gebärmutterbändern)
- Schwierigkeiten beim Wasserlassen (Gefühl der unvollständigen Blasenentleerung notwendiges Pressen zum Wasserlassen, erschwerter Beginn des Harnflusses, schwacher Harnstrahl)
- Probleme bei der Stuhlentleerung (Gefühl der unvollständigen Darmentleerung, notwendiges Gegenhalten am Damm, in der Scheide oder vom Enddarm aus)
- Harnwegsinfektionen (insbesondere, wenn die Blase nicht komplett entleert werden kann)
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
- Gefühl der zu weiten oder zu engen Scheide beim Geschlechtsverkehr
Genitalsenkung durch geschädigte Beckenbodenmuskulatur und schwaches Bindegewebe
Eine Genitalsenkung wird meist durch eine Kombination von schwacher oder geschädigter Beckenbodenmuskulatur und schwachem, überdehnten Bindegewebe verursacht. Als Risikofaktoren gelten Schwangerschaften, vaginale Geburten, Geburtsverletzungen, genetische Veranlagung, Übergewicht, Nikotinkonsum, Bindegewebsschwäche, schwere körperliche Arbeit, auch schweres Heben und chronischer Husten sowie vorangegangene Operationen im Becken.
Vorbeugend kann regelmäßiger Ausdauersport wirken. Das gezielte Training der Beckenbodenmuskulatur kann durch eine Kompensation helfen, die Senkung zu vermindern.
Wir bieten zahlreiche konservative Behandlungsverfahren an, wie eine spezifische Beckenbodenrehabilitation, Pessartherapie (Ringe oder Würfel zur nicht-operativen Therapie von Genitalsenkungen) und medikamentöse Strategien. Bei Schmerzsyndromen werden auch Triggerpunktbehandlungen und die Neuraltherapie eingesetzt.
Sollte eine Operation notwendig und gewünscht sein, bevorzugen wir minimal-invasive Verfahren. Diese erfolgen von der Scheide aus oder durch die sog. Schlüsselloch-Technik (da Vinci-Roboter-assistiert oder laparoskopisch).
Konservative und operative Therapien
Konservative Therapie
Eine gezielte Beckenboden-Rehabilitation kann viele Beckenbodensymptome wie Inkontinenz und Schmerzen beseitigen oder lindern. Damit ist nicht die traditionelle Beckenbodengymnastik gemeint, sondern eine spezifische Therapie der Beckenbodenmuskulatur. Wir arbeiten mit ausgebildeten Physiotherapeutinnen zusammen, die den Beckenbodenmuskel auch durch die Scheide tasten und beurteilen können. Teilweise setzen sie auch Ultraschall vom Bauch oder Damm ein, um Ihnen die Position der Blase und die Aktion der Muskulatur bildlich darstellen zu können. Durch eine gezielte Rehabilitation kann nicht nur die Koordination und Kräftigung der Muskulatur erreicht werden, sondern auch die Entspannung des Beckenbodens bei Schmerzen oder Blasen- und Darmentleerungsproblemen. Triggerpunktmassagen, sogenannte Thiele-Massagen sowie Dehnungen bei Narbenbildung können ebenfalls durch spezialisierte Physiotherapeutinnen übernommen werden.
Daneben wenden wir verschiedene Hilfsmittel an, um eine bessere Blasen- und Darmfunktion zu erreichen, wie
- diverse Pessare (Ringe, Würfel, Siebschalen)
- Kontinenztampons (vaginal und anal)
- Elektrostimulation des Beckenbodens
- Biofeedbacktherapie für den Beckenboden
Operative Therapie
Bei den Operationen bei Belastungsinkontinenz haben sich „Bändchen-Einlagen“ unter der Harnröhre als Standard bewährt. Es wird genau besprochen, welches der verschiedenen Bänder in Frage kommt, die das Bindegewebe ersetzen und im Körper ohne Auflösung verbleiben sollen.
Auch andere Verfahren, wie die Burch-Kolposuspension oder eine Harnröhrenunterspritzung, können in Frage kommen.
Die Therapie der Dranginkontinenz erfolgt meist konservativ, doch ist auch eine Einspritzung von Botulinumtoxin (Botox) in den Blasenmuskel möglich, wodurch die Überaktivität gelähmt wird.
Bei der sakralen Neuromodulation werden die Nerven des Kreuzbeines durch einen Schrittmacher „moduliert“. Dadurch können sich verschiedene Krankheitsbilder wie Stuhlinkontinenz, Schmerzen, überaktive Blase, interstitielle Zystitis und Blasenentleerungsstörungen verbessern.
Zur operativen Behandlung der Absenkung der Beckenorgane können gebärmuttererhaltende Verfahren diskutiert werden sowie der Einsatz eines synthetischen Netzes, welches im Körper verbleibt. Wir empfehlen nicht die vaginale Einlage eines Netzes, die routinemäßig angeboten wird, sondern besprechen diese Maßnahme umfassend mit Ihnen, da es viele Vorteile auch auch Komplikationen gibt. Neben der Beseitigung der Senkung soll die Blasen- und Sexualfunktion erhalten oder verbessert werden.
Unsere OP-Möglichkeiten (individuell auch kombinierbar)
- Retropubisches TVT (Tension-free vaginal tape = spannungsfreies Vaginalband)
- Transobturatorisches Band
- Single-incision Schlingen, die nicht durch die Haut gehen und nur im Bindegewebe verankert werden
- Laparoskopische (minimal-invasive Schlüssellochtechnik) Burch-Kolposuspension
- Bulkamid-Harnröhrenunterspritzung
- Botulinumtoxin (Botox) in den Blasenmuskel
- Rekonstruktion des analen Schließmuskels
- Sakrale Neuromodulation bei Dranginkontinenz, Stuhlinkontinenz, Schmerzen, Blasenentleerungsstörungen
- Laparoskopische (minimal-invasive Schlüssellochtechnik) Aufhängung der Gebärmutter und/oder der Scheide mit einem permanenten Netz (Sakrohysteropexie, Sakrokolpopexie)
- Laparoskopische Gebärmutterentfernung mit Fixation des Scheidenendes an körpereigenen Bändern (Sakrouterinligamente)
- Vaginale Scheidenplastiken (plastische Rekonstruktion des Bindegewebes)
- Vaginale fixierte Netzeinlagen zur Stabilisierung des Gewebes
- Entfernung von Narben, Netz- und Fadenmaterialien
- Entfernung von chronisch-entzündlichem Gewebe
- Vaginale Rekonstruktion der Scheide und des Dammes
- Sanierung von Fistelgängen
- Botox-Injektionen in Beckenboden bei Schmerzen und Beckenbodenüberaktivität

